Karfreitag 2019

 
 

Mehr Mensch, weniger Mensch. Die Todesstrafe in den USA und die Entwürdigung des Menschen

 

Die Realität in den Todestrakten der USA 2019: menschenunwürdige Lebensbedingungen. Isolationshaft. Menschen, die trotz psychischer Störungen auf ihre Hinrichtung warten. Justizirrtümer. Von den 8127 Menschen, die zwischen 1977 und 2018 ein Todesurteil erhielten, wurden 1492 Menschen hingerichtet; 164 Personen wurden entlastet und aus dem Todestrakt freigelassen. Auf neun Hinrichtungen kommt also eine Person, die entlastet wurde. Eine kolossale Fehlerquote für eine Strafe, die nach der Vollstreckung nie wieder gemindert, umgewandelt oder erlassen werden kann. Für eine Strafe, die nur schon durch ihre Existenz das fundamentalste Recht des Menschen – das Recht auf Leben – torpediert.

 

Die gute Nachricht: Washington schaffte die Todesstrafe letztes Jahr als zwanzigster Bundesstaat der USA ab. Die schlechte: in dreissig US-Staaten existiert sie weiterhin.

 
 
 
 

Elizabeth Vartkessian arbeitet im «Land der unbegrenzten Möglichkeiten» an einer Zukunft ohne Hinrichtungen. Die junge Frau verfügt über eine imposante Erfahrung in Todesstrafe-Prozessen. Im Interview mit ACAT-Schweiz zeigt sie auf, wie hinter jedem «Fall» eine Lebensgeschichte steckt, die es wert ist, erzählt zu werden.

 

Einflussreiche Player können dabei helfen, die Anliegen der zahlreichen Todesstrafe-Gegner in den USA durchzusetzen. Die Würde des Menschen soll zu mehr als einem Marketingversprechen multinationaler Grossfirmen werden.

 

 
 

 

 
 

Die menschliche Würde steht im Zentrum einer theologischen Meditation.

 

Rufen Sie mit Ihrer Unterschrift Nestlé dazu auf,
Position gegen die Todesstrafe zu beziehen.

 
 

 

 
 

 

Interview


«Jeder verdient eine Chance, dass seine Geschichte erzählt wird»

 

Elizabeth Vartkessian erforscht und erzählt die Lebensgeschichte von Angeklagten, denen die Todesstrafe droht. Sie will dadurch die Menschenwürde ins Zentrum des Rechtsverfahrens stellen. Während ihres Besuchs in der Schweiz letzten Oktober hatte ACAT-Schweiz die Gelegenheit, mit ihr zu sprechen.

 
 

Photo by Antonis Spiridakis on Unsplash

 

Frau Dr. Vartkessian, warum haben Sie begonnen, Lebensgeschichten zu untersuchen?
Ich begann 2004 als Ermittlerin an der Verteidigung von Kapitalverbrechen in Texas zu arbeiten. Während der ersten Arbeitsjahre beschäftigte mich eine zentrale Frage: Warum enden einige Fälle mit lebenslänglicher Haft, während vergleichbare Fälle mit Todesstrafe enden? Die Frage brachte mich dazu, Forschung zum Thema zu betreiben. Ich fand heraus, dass viele der Gründe wenig mit dem Verbrechen an sich zu tun hatten – die Verbrechen waren alle erschütternd. Der Unterschied zwischen Tod und Leben hing mit den Nachforschungen zur Geschichte des Angeklagten zusammen und damit, wie viel davon den Geschworenen vorgelegt wurde. 2014 gründete ich Advancing Real Change, Inc., eine gemeinnützige Organisation die Biografieforschung für ärmere Angeklagte betreibt, denen die Todesstrafe droht, oder für Personen, denen für Verbrechen vor ihrem 18. Geburtstag lebenslängliche Haft droht. Ich mache diese Arbeit, weil ich glaube, dass jeder eine Chance verdient, dass seine Geschichte erzählt wird.

 

Die Lebensgeschichte des Angeklagten zu hören kann über Leben und Tod entscheiden?
Es ist sehr schwierig, jemandem ein Leid anzutun, wenn man mit ihm Mitgefühl hat und sich mit ihm als Mensch identifizieren kann. Jemanden zum Tod zu verurteilen ist ein extremes Leid. Für meine Forschungsarbeit und als Ermittlerin habe ich um die hundert Menschen befragt, die als Geschworene an Verfahren beteiligt waren, die mit einem Todesurteil enden konnten. Ein durchgehendes Motiv in all den Gesprächen war, dass Geschworene ein Todesurteil fällen, wenn sie das Gefühl haben, der Angeklagte sei nicht zu retten. Anders gesagt: Geschworene haben keine Gnade für Leute, bei denen sie keine Hoffnung auf Wiedergutmachung sehen.

 

Wie bringen Sie Geschworene dazu, Mitgefühl mit dem Angeklagten zu spüren?
Wenn Geschworene eine vollständige, präzise Geschichte über den Angeklagten hören, können sie leichter verstehen, in welchem Zusammenhang das Verbrechen passiert ist. Sie können sich auch mit Charaktereigenschaften des Angeklagten identifizieren, die ihn in ihren Augen menschlicher machen. Ein Angeklagter mag beispielsweise ein guter Vater gewesen sein, ein liebender Sohn, fleissig oder religiös. Statt ihn als unmenschliches Wesen zu betrachten, kommen die Geschworenen dazu, den Angeklagten als einen Menschen zu sehen, der etwas Schreckliches getan hat. Unter diesen Umständen macht der Impuls zur Vergeltung häufig einem Entscheid für das Leben Platz.

 

Sind Ihre Nachforschungen ein obligatorischer Teil der Verfahren um die Todesstrafe?
In jedem Fall, in dem die Todesstrafe im Raum steht, braucht der Verteidiger jemanden, der den Sachbestand recherchiert («fact investigator») und jemanden, der Nachforschungen zu mildernden Umständen macht («mitigation investigator»). Letzterer muss sich mit der sozialen, biologischen und psychologischen Vorgeschichte des Angeklagten über die letzten drei Generationen beschäftigen. All unsere Klienten können sich keinen Verteidiger leisten, daher bekommen sie vom Gericht einen gestellt. Da die meisten Pflichtverteidiger keine Ermittler in ihrer Kanzlei haben, werden wir von Gerichten aus den ganzen USA beauftragt, die Nachforschungen zu mildernden Umständen zu machen.


Wenn Sie vom Gericht bestellt werden, warum ist Advancing Real Change, Inc. dann eine gemeinnützige Organisation?

Wir sind bemüht, jedem einzelnen Klienten die bestmögliche Verteidigung zu bieten. In der Praxis bedeutet das, dass wir wesentlich mehr Arbeit machen als die, für die wir bezahlt werden. Um die Differenz zu decken, müssen wir zusätzliche Mittel beschaffen. Wir haben auch einen Lehrauftrag gegenüber anderen Verteidigern. Diesen bieten wir niederschwellig an mit kostenlosen Schulungen und Beratungen. Auch für diese Angebote müssen wir Fundraising betreiben.

 

Bedeutet die Tatsache, dass Sie von zusätzlichen Spenden abhängig sind, dass das Konzept der mildernden Umstände nicht besonders entwickelt ist in Fällen mit möglicher Todesstrafe?

Eine schwierige Frage. In der amerikanischen Rechtsprechung ist es weit ausgebaut. Doch viele Verteidiger und einige Gerichte missverstehen weiterhin, was Nachforschungen zu mildernden Umständen sind, und wie sie angestellt werden müssen, um von Nutzen zu sein. Viele Menschen behaupten, für solche Nachforschungen qualifiziert zu sein, haben aber keine angemessene Ausbildung dafür. Dies ist ein weiterer Grund, warum Advancing Real Change, Inc. kostenlose Unterstützung anbietet: Wir wollen, dass diejenigen, die diese Arbeit machen, sich an die professionellen Standards halten.

 

Sie verteidigen Menschen, denen schreckliche Verbrechen angelastet werden. Wie reagieren die Opfer der Angeklagten auf Ihre Arbeit?

Ich habe bei meinen Ermittlungen in Strafverfahren nicht viel Kontakt mit den Opfern und ihren Angehörigen. Als Forscherin jedoch konnte ich Zeit mit ihnen verbringen. Sie haben mir von gemischten Gefühlen berichtet, auch von Frustration über das System, das es für sie schwierig macht, zu verstehen, was gerade passiert. Viele Opfer wollen wissen, warum etwas Schreckliches geschehen ist. Während der Gerichtsverhandlungen können sie diese Antworten nicht kriegen. Ich habe herausgefunden, dass die Opfer, unabhängig von der Vorstellung darüber, was mit dem Täter zu geschehen habe, letztlich wünschen, dass sie zumindest mehr erfahren. Die Biografieforschung hat zum Ziel, den Menschen möglichst viele Informationen über den Angeklagten zu geben. Ich hoffe, dass dies ein wenig Erleichterung bringen kann.

 

Wie können diese Informationen Erleichterung bringen?
Ich habe Zeit mit den Opfern verbracht und habe dabei erfahren, dass es für sie keinen Schlussstrich gibt. Unsere Biografieforschung zu den Angeklagten ist ein Versuch, im scheinbar Sinnlosen ein wenig inneren Sinn zu finden.

 

Die Todesstrafe wird oft als einzige angemessene Strafe betrachtet für Personen wie Terroristen, die für viel Leid und Schaden verantwortlich sind. Was meinen Sie dazu?
Fälle von Terrorismus werden in der Regel auf Bundesebene verhandelt, wo mehr Mittel zur Verfügung stehen. Das führt oft dazu, dass Todesurteile vermieden werden. Der «Unabomber» Ted Kaczynski beispielsweise wurde nicht zum Tod verurteilt, genauso wenig wie der strategische Kopf hinter den Anschlägen vom 11. September 2001, Zacharias Moussaoui. Die meisten Menschen im Todestrakt gehören zu den Schutzbedürftigsten überhaupt, viele sind psychisch krank oder geistig behindert und haben eine erbärmliche rechtliche Vertretung.


Welche Muster erkennen Sie, wenn Sie Fälle Ihrer Biografieforschung vergleichen?
Wir sehen Generationen ohne Zugang zu Gesundheitsversorgung; extreme Armut, gewalttätige Eltern, die ihre Kinder verwahrlosen lassen; fehlende sichere Räume, eingeschränkten Zugang zu guter Bildung sowie Vernachlässigung. Das Vorhandensein solcher Muster bedeutet, dass Massnahmen möglich wären, um Morde zu verhindern und die Gesellschaft sicherer zu machen. Die Todesstrafe erreicht dies nicht. Stattdessen kann sie weit mehr psychologischen Schaden bei den Hinterbliebenen erzeugen.

 

Wann ist Ihre Biografieforschungs-Arbeit erfolgreich?
Jedes Mal, wenn ein Klient der Todesstrafe entgeht, erlebe ich einen kurzen Moment der Erleichterung. Den Bruchteil einer Sekunde später kommen mir normalerweise die Tränen, denn ich weiss: Das bedeutet, dass mein Klient wohl im Gefängnis sterben wird, was ich auch für Folter und für unnötig halte. Von daher gibt es keine persönliche Freude am Ergebnis, aber im Kontext des Systems, das wir haben, ist das der Erfolg.

 

Sie befassen sich jeden Tag mit schrecklichen Schicksalen – warum machen Sie diese Arbeit?
Das US-amerikanische Rechtssystem vermitelt den Eindruck von Fairness, aber es funktioniert nicht fair. Mit unserer Arbeit versuchen wir das System dazu zu zwingen, unseren Klienten ihre verfassungsmässigen Rechte zu geben. Ich glaube auch, dass der Mensch belastbar und in der Lage ist, ein besseres Ich zu werden. Ich habe viele Menschen kennengelernt, die sich gewandelt haben, vorbildliche Insassen geworden sind, hilfsbereite Freunde oder Pädagogen, und eine neue Rolle im Leben angenommen haben – Menschen sind rehabilitiert worden. Ich mache diese Arbeit, weil mir all die Menschen, die in die Mühlen der Strafjustiz geraten, sehr am Herzen liegen. Wenn es uns wirklich darum ginge, Tragödien zu vereiteln, die Erfahrungen der Opfer besser aufzuarbeiten und Tätern mit unseren Strafen eine Rehabilitation zu ermöglichen, würden wir Vieles anders machen. Ich stelle mir ein System vor, in dem wir Menschen nicht so sehr verletzen, wie ich es hier beschreibe – sowohl die Opfer wie auch die Angeklagten – und ich glaube, dass das möglich ist.

Zum Seitenanfang...

 

 

Biografieforschung


Im Mittelpunkt der Biografieforschung («life history investigation») steht eine angeklagte Person, zumeist jemand, dem die Todesstrafe oder eine andere schwere Strafe droht. Die Ermittler sammeln detaillierte Daten ihrer Familie über drei Generationen hinweg. Sie führen persönliche Gespräche mit möglichst vielen Bezugspersonen: Familie, Freunden, Bekannten und der Gemeinschaft. Dieses breite Spektrum an Nachforschungen kann Verhaltensmuster, Traumata, psychische Probleme und andere Faktoren aufdecken – Muster, die der Staatsanwaltschaft, dem Richter und den Geschworenen den nötigen Hintergrund geben, um gerechte Entscheidungen treffen zu können. Einfacher ausgedrückt: Biografieforschung ebnet einen breiten Weg, auf dem der Angeklagte während des gesamten Verfahrens ganzheitlich gesehen wird.

 

 

Elizabeth Vartkessian

 

 

Elizabeth Vartkessian, Ph.D. Jus, lebt und arbeitet in Baltimore, Maryland. Sie gründete und leitet Advancing Real Change, Inc., eine gemeinnützige Organisation, die Biografieforschungen durchführt für mittellose Angeklagte, denen die Todesstrafe oder lebenslange Haft für Straftaten vor ihrem 18. Geburtstag droht.


Ausserdem ist Dr. Vartkessian Forscherin beim Capital Jury Project (University at Albany, New York), einem von der National Science Foundation geförderten Forschungsprojekt, das sich mit der Entscheidfindung von Geschworenen in Fällen mit drohender Todesstrafe befasst.

 
 

 

Konzerne sollen klare Worte finden

 

Unternehmen wollen heute als sozial verantwortlich gelten. Grosse Versprechungen zieren internationale Pakte und Unternehmensphilosophien. ACAT-Schweiz will nun einen dieser grossen Player in die Pflicht nehmen, indem sie Nestlé dazu auffordert, Position gegen die Todesstrafe zu beziehen – und für die Würde des Menschen.

 
 

Menschenwürde, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit – das Biotop dieser Begriffe sollte über Kirchen, Philosophiekreise und NGOs hinausreichen. Tatsächlich wächst auch in der Wirtschaft das Bewusstsein, dass soziale – und ökologische – Verantwortung mehr bringt als bloss ein frisch geputztes Image. Viele Unternehmen sind heute überzeugt, dass eine verantwortliche und nachhaltige Geschäftspraxis eine Voraussetzung ist, um sich längerfristig am Markt behaupten zu können.


Profitieren vom guten Ruf der UNO?


Die wachsende Empfindlichkeit für Menschenrechtsthemen widerspiegelt sich im United Nations Global Compact. Ziel dieses Pakts ist eine Globalisierung nach sozial und ökologisch verträglichen Standards. Bis Mitte 2018 verpflichteten sich 13 000 Teilnehmer dazu, die zehn Prinzipien des UN-Global Compact anzuwenden. Dazu gehören 10 000 Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen, Wirtschafts- und Arbeitnehmerverbände, Gemeinden und Akteure der Zivilgesellschaft.
Schön und heil ist die Welt mit dem UN-Global Compact immer noch nicht. Die Kritik an diesem Pakt ist happig und reicht von zu weichen Standards über mangelnde Kontrolle bis hin zu Missbrauch für Werbezwecke. Die Stiftung Weltethos zum Beispiel schreibt: «Die beteiligten Unternehmen werden nicht nachweislich verpflichtet, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten, profitieren aber vom guten Ruf der UNO (sogenanntes ‹bluewashing› in Anspielung auf die blaue Farbe der UNO).»


Wirtschaft streckt Fühler aus


Die breite Unterstützung für die Konzernverantwortungsinitiative oder die Klimawandeldebatte am jüngsten Weltwirtschaftsforum WEF machen trotzdem klar: Es muss und wird Bewegung in die Sache kommen. Wirtschaftsbosse strecken ihre Fühler aus. Und das ist eine gute Neuigkeit für zivilgesellschaftliche Player wie Menschenrechtsorganisationen. Der Kreis von Unternehmen, die sich zu Verbündeten machen lassen, wächst.


Nestlé profiliert sich …


Zum Beispiel Nestlé. Der Nahrungsmittel­Gigant mit Hauptsitz in der Schweiz ist in der Vergangenheit nicht gerade durch vorbildlichen Menschenrechtsschutz aufgefallen. Diese Vergangenheit versucht das Unternehmen nun hinter sich zu lassen. In ihren PR-Aktivitäten ist ihr angestrebtes Engagement etwa «für eine abfallfreie Zukunft» oder für «bessere Lebensbedingungen» nicht zu übersehen. Im UN-Global Compact hat sie sich für den «LEAD-Status» qualifiziert. Ob Nestlés Engagement erfolgreich ist oder nicht, sei in einem anderen Kontext zu beurteilen – Fakt ist: Nestlé hat sich zum Ansprechpartner in Menschenrechtsanliegen entwickelt.


… und soll nun Position beziehen


ACAT-Schweiz ist deshalb überzeugt, dass dies der richtige Augenblick ist, Nestlé auf ihr Engagement anzusprechen. Organisationen, die in den Vereinigten Staaten gegen die Todesstrafe kämpfen, haben uns erklärt, wie wichtig und bedeutsam die Unterstützung von Nestlé in der Abschaffung der Todesstrafe sein könnte.

 

Zum Seitenanfang...

 

 

In ihrer Petition will ACAT-Schweiz Nestlé beim Wort nehmen. Denn:

 

  • In ihrer Unternehmensphilosophie schreibt Nestlé, dass sie nicht nur für ihre Aktionäre, sondern auch für die gesamte Gesellschaft einen Mehrwert schaffen muss, um nachhaltig erfolgreich zu sein.
  • Nestlé hat den LEAD-Status im UN-Global Compact erworben und sich somit als bedeutender Ansprechpartner in Menschenrechtsfragen profiliert.
  • Nestlé ist Hauptförderin («founding patron») der UN-Global Compact-Aktionsplattform für Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen*. Damit anerkennt sie, dass diese drei Faktoren wichtige Pfeiler für den Erfolg von Unternehmen sind und dass die Wirtschaft eine vitale Rolle in der weltweiten Förderung guter, verantwortungsvoller Staatsführung spielen kann.
  • Nestlé ist ein global tätiges Schweizer Traditionsunternehmen. Es soll die menschliche Würde als einen der Grundwerte unseres Rechtsstaates nicht nur respektieren, sondern auch weltweit begünstigen. Da die Todesstrafe mit der Würde des Menschen unvereinbar ist, soll sich Nestlé aktiv um deren Abschaffung bemühen.

 

KONKRET bitten wir Nestlé darum, ihren Einfluss geltend zu machen gegenüber Entscheidungsträgern in den USA – und im Speziellen in Virginia, wo Nestlé ihren US-Hauptsitz hat, gegen die Todesstrafe zu plädieren. Die Anzahl Todesurteile hat in den letzten Jahren in Virginia enorm abgenommen (siehe «Virginia und die Todesstrafe» auf der nächsten Seite). Eine starke Stimme aus der Wirtschaft kann den nötigen Stimmungswandel unterstützen, damit sich Virginia definitiv von der Todesstrafe verabschiedet. Ausserdem fordern wir Nestlé dazu auf, das Thema auf die Diskussionsagenda der Aktionsplattform für Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen zu setzen.

 

 PETITION ONLINE UNTERSCHREIBEN

oder

PETITIONSBOGEN ALS PDF HERUNTERLADEN

 

 
 

 

Meditation

 

Was wir auch tun, wir bewahren unsere Würde

 
 

Die menschliche Würde kann man auf verschiedene Art und Weise betrachten. Und so wie Molières bürgerlicher Edelmann Prosa spricht, ohne es zu wissen, verfügen auch wir alle irgendwo über eine Vorstellung dessen, was menschliche Würde ist. Denn wir sind alle Menschen. Der Philosoph Immanuel Kant unterschied zwischen zwei Arten des Wissens: einem Wissen über die Dinge und einem Wissen über die Menschen. Ein Gegenstand kann für einen Zweck, für konkrete Ziele, ausgewählt, gekauft und manipuliert werden. Ein Mensch dagegen kann nicht für einen bestimmten Bedarf verwendet werden. Ich kann eine Person nicht für eine bestimmte Aufgabe kaufen, oder aber ich beute sie aus und mache sie zu meinem Sklaven. Ein menschliches Wesen kann nicht «verdinglicht» werden. Dieses philosophische Grundprinzip wird in der Ethik oft in Diskussionen und Forschungsarbeiten aufgegriffen. So existiert also eine jedem Menschen eigene ontologische Würde (eine Würde, die sich auf das Wesen des Menschen bezieht).


Was sagt uns die Bibel zum Thema menschliche Würde? Dieses Thema zieht sich durch die ganze Bibel. Es steht im Mittelpunkt der Beziehung, die Gott zu den Menschen aufbauen möchte. Gott will mit den Frauen und Männern einen Bund schliessen. Mit einem Ding, einem Gegenstand schliesst man keinen Bund! In der gesamten Bibel bietet Gott unermüdlich den Menschen, die er erschaffen hat, einen Bund an.
In den Augen Gottes ist der Mensch auf keinen Fall ein Gegenstand, den er nach seinem Gutdünken manipulieren kann. So überträgt Gott in der Schöpfungsgeschichte Adam die Aufgabe, allen Lebewesen, die die Erde und die Meere bevölkern, einen Namen zu geben. Ein Gegenstand kann diese Funktion nicht erfüllen!


Eine bestens bekannte Geschichte zeigt uns, wie sehr ein jeder Mensch in den Augen Gottes zählt. Denken wir an die berühmte tragische Geschichte von Kain und Abel. Wie reagiert Gott auf die Ermordung Abels durch seinen Bruder?
«Wo ist Abel, dein Bruder? Er entgegnete: Ich weiss es nicht. Bin ich der Hüter meines Bruders? Der Herr sprach: Was hast du getan? Das Blut deines Bruders erhebt seine Stimme und schreit zu mir vom Erdboden. […] » (Genesis 4, 9-10, Einheitsübersetzung).
Gott tritt mit Kain, dem Mörder, in Dialog. Er zieht ihn für sein Tun zur Verantwortung, weist ihn aber auch auf die Beziehung hin, die er zu Abel pflegte, der sein Bruder war. In den Augen Gottes ist Kain in erster Linie


Abels Bruder. Er verurteilt selbstverständlich die Tat entschieden, sieht in ihm aber noch immer einen vollwertigen Menschen.
«Darauf machte der Herr dem Kain ein Zeichen, damit ihn keiner erschlage, der ihn finde.» (Genesis 4, 15, Einheitsübersetzung).
Gott lässt Kain nicht zugrunde gehen. Er schützt ihn sogar vor denen, die Böses mit Bösem vergelten wollen. Auch wenn er ein Mörder ist, bewahrt Kain seine menschliche Würde.
Die Würde eines jeden Menschen ist die Frucht der Liebe Gottes, die er jedem menschlichen Wesen entgegenbringt. Unser Vater ruft und kennt jeden Einzelnen von uns bei seinem Namen. Der Name gehört zur Identität eines menschlichen Wesens.
Die Würde des Menschen kann nicht gemessen oder quantifiziert werden. Sie ist ein Teil unseres ontologischen Seins und lässt sich daher nicht durch unsere Taten verletzen. Was wir auch tun, wir bewahren unsere Würde. Die schlimmsten Verbrecher bewahren im Grunde ihres Herzens ein Stück Menschlichkeit. Personen mit Alters­demenz, körperlich oder geistig behinderte Menschen, Obdachlose, als unheilbar angesehene Drogenabhängige, Personen, die unter einer schweren Schizophrenie leiden: Sie alle bewahren ihre Würde! Sie sind vollwertige Menschen, wie jeder von uns.


In den Evangelien verkündet Jesus die Frohe Botschaft vor allem den Armen. Die Armen stehen für alle Personen in bescheidenen Verhältnissen, aber auch für Personen, die ausgeschlossen, ausgegrenzt oder isoliert werden, oder für kranke Männer und Frauen oder Leute, die in der damaligen Gesellschaft nicht gut angesehen sind, wie Zöllner und Steuereintreiber. Wir finden viele Geschichten, in denen Jesus auf sie zu geht, sie anschaut und mit ihnen ein Gespräch beginnt. Jesus richtet diese ganze Masse von Armen auf: Er möchte ihnen ihre Würde als Menschen wiedergeben! Diese Geschichten sind besonders ergreifend, wenn Jesus auf Aussätzige oder von Dämonen besessene Personen zugeht und sie heilt. Der Aussatz stellte zur damaligen Zeit eine Quelle von Angst und Schrecken dar. Voller Mitgefühl für die Aussätzigen lässt Jesus Barmherzigkeit walten und bemüht sich darum, sie zu heilen, sie wieder in ihrer ontologischen Würde aufleben zu lassen.


Die Armen sind nicht immer diejenigen, an die man denkt! Jeder kann arm werden, denn in den Augen der Gesellschaft kann jedem seine menschliche Würde aberkannt werden. Nehmen wir die bekannte Geschichte des Zachäus als Beispiel (Lk 19, 1-10):
Zachäus ist eine Person von Rang, eine in seiner Heimatstadt Jericho sicherlich sehr wichtige und sehr bekannte Persönlichkeit. Er ist reich an Geld, aber in Wirklichkeit arm, da er bei seinen eigenen Mitbürgern in Verruf geraten ist. Tatsächlich waren Steuer­eintreiber in der Zeit Jesu sehr schlecht angesehen. Sie arbeiteten für die römischen Besatzer und galten daher als «unrein». Da sie sehr schlecht bezahlt wurden, hielten sie sich an den Steuern schadlos, die sie für die römischen Behörden eintrieben. So bereicherten sie sich auf dem Rücken ihrer Mitbürger. Steuereintreiber wie Zachäus werden daher abgelehnt und ausgegrenzt: Niemand will mit ihnen etwas zu tun haben. Man kann davon ausgehen, dass Zachäus unter dieser Situation gelitten haben muss. Sein Reichtum bringt ihm ausser dem materiellen Nutzen keinen Vorteil. Er hat den Ruf eines unehrlichen Menschen, ja sogar eines verdorbenen Wesens. Unter diesen Umständen ist die Annahme, dass er jegliches Selbstwertgefühl und jedes Gefühl von Würde verloren hat, nicht übertrieben! Jesus macht sich die Mühe, stehen zu bleiben und seinen Blick auf diesen Mann zu richten. Er hält ihn an und richtet sich an ihn wie an einen Menschen, der es wert ist, beachtet zu werden. In dieser Geschichte gibt Jesus Zachäus seine ganze Würde zurück. Letzterer, der sich auf der Suche befand, den Weg zu einem besseren Leben suchte, öffnet sein Herz, verändert sich und wandelt sich von einem innerlich armen Menschen zu einem Reichen, indem er sich für die anderen öffnet und beschliesst, seine materiellen Güter zu teilen. Die Geschichte endet mit der Erinnerung an die Mission Jesu: die Verlorenen zu suchen und zu retten.


Michael Steck,
Mitglied des Vorstands von ACAT-Schweiz

Zum Seitenanfang...

 
 
 
 
 

Muster-Kollektenansage

 

Die heutige Kollekte ist bestimmt für die Menschenrechtsorganisation
ACAT-Schweiz – die Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter und der Todesstrafe. Aus christlicher Überzeugung setzt sich ACAT dafür ein, dass jeder Mensch weltweit Schutz vor Folter und Todesstrafe erfährt. ACAT führt mehrere jährliche Kampagnen durch, um die Öffentlichkeit für die Problematik von Folter und Todesstrafe zu sensibilisieren. Mit Briefaktionen intervenieren ACAT-Mitglieder zu Gunsten von Personen, die gefoltert worden sind oder denen Folter oder die Todesstrafe drohen. Finanziert wird die Arbeit von ACAT-Schweiz durch Mitgliederbeiträge, Spenden und Kollekten.
 
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung – für die Menschenrechte!
 
Jeder Franken ist ein Beitrag «für eine Welt frei von Folter und Todesstrafe».