Die Todesstrafe weltweit

 
 

 Mehr als zwei Drittel aller Staaten weltweit haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

  • 104 Länder haben die Todesstrafe für alle Verbrechen abgeschafft;

  • 6 Länder haben die Todesstrafe vollständig abgeschafft. Sie ist nur noch für aussergewöhnliche Straftaten, zum Beispiel während Kriegszeiten, vorgesehen;

  • 30 Länder haben die Todesstrafe de facto abgeschafft: Sie ist in ihrer Gesetzgebung immer noch vorgesehen, kam aber seit mindestens zehn Jahren nicht mehr zu Anwendung;

 

58 Länder und Gebiete halten weiter an der Todesstrafe fest und wenden diese Bestrafungsart an. 25 Staaten haben 2015 tatsächlich Hinrichtungen durchführen lassen.

 

  • Die Länder mit den meisten Hinrichtungen 2015 waren China, Iran, Saudi Arabien, Pakistan und die USA;

 

  • 65 Länder sehen die Todesstrafe für Terrorismus in ihren Gesetzen vor. Davon haben: 16 Länder die Todesstrafe in der Praxis abgeschafft; 1 Land davon hat die Todesstrafe für gewöhnliche Verbrechen abgeschafft.

 

 

„Auge um Auge, und die Welt wird blind sein“

(Ghandi)

 

 
 

Was versteht man unter Todesstrafe?

 

Die Todesstrafe ist eine Strafmassnahme, welche die Tötung eines Verurteilten vorschreibt. Sie wird über eine Person verhängt, welche eines Verbrechens schuldig gesprochen wurde, für welches diese Strafe in der Gesetzgebung vorgesehen ist und während eines Prozesses ausgesprochen wird.

Es gibt andere Fälle, bei welchen Staatsbeamte einer Person das Leben nehmen, doch in diesem Zusammenhang spricht man von aussergerichtlicher Hinrichtung, summarischer Hinrichtung oder einfach Mord.

Trotz Fortschritten in Richtung einer Abschaffung, ist die Debatte zur Todesstrafe noch nicht beendet. Die Befürworter der Todesstrafe nennen die Notwendigkeit, die Gesellschaft zu schützen, Kriminelle abzuschrecken oder die Opfer zufrieden zu stellen. Die Befürworter der totalen Abschaffung der Todesstrafe stützen sich insbesondere auf das Grundrecht auf Leben, die Grausamkeit und Unwiderruflichkeit dieser Strafe.

 

Die Ausdehnung des Mandats von ACAT auf den Kampf gegen die Todesstrafe geschah aus den folgenden Gründen:

 

  • Die Überzeugung, dass Folter und Todesstrafe eng miteinander verbunden sind, namentlich durch das Leiden, welches der Verurteilte durchlebt, während er auf seine Hinrichtung wartet;
  • Die Bedeutung, welche der Förderung der Menschenrechte beigemessen wird: jedes Individuum hat das Recht auf Leben (Universelle Erklärung der Menschenrechte, Art. 3);
  • Die Tatsache, dass für einen Christen jeder Mensch – wie schuldig er auch sein mag – nach dem Ebenbild Gottes geschaffen ist und niemand das Recht hat, ihm das Leben zu nehmen.

 

Seither ist ACAT auf vier grossen Achsen aktiv:

 

  • Die Unterstützung der zum Tode Verurteilten, indem bei den betroffenen Behörden die Wiederaufnahme des Verfahrens und/oder eine Umwandlung der Strafe gefordert wird oder indem mit einigen der Verurteilten ein Briefwechsel in die Wege geleitet wird, um dadurch das Leiden eines oftmals mehrjährigen Wartens zu verringern;
  • Die Ausübung von Druck bei nationalen oder internationalen Behörden, um juristische Fortschritte im Kampf gegen die Todesstrafe zu erzielen: Abschaffung dieser Strafe, Einführung von Moratorien, Verstärkung internationaler Gesetze, welche die Wiederaufnahme von Hinrichtungen in Ländern, welche diese bereits abgeschafft hatten, verbieten;
  • Der Aufruf an die Behörden aller christlichen Kirchen, sich eindeutig gegen die Todesstrafe auszusprechen oder zugunsten bestimmter Verurteilter aktiv werden;
  • Das Nachdenken über ethische und theologische Grundsätze unseres Engagements zugunsten der Abschaffung der Todesstrafe.

 

 

Fakten und Zahlen zur Todesstrafe

 

Zwar sind keine genauen Zahlen bekannt, doch insgesamt nimmt die Anzahl der jährlichen Hinrichtungen kontinuierlich ab. 2015 fand die grosse Mehrheit der erfassten Hinrichtungen in Iran, Pakistan und Saudiarabien statt. China, welches die Zahl der staatlichen Tötungen geheim hält, richtet mutmasslich mehr Menschen hin als alle übrigen Länder zusammen. Die USA und Japan sind die beiden einzigen demokratischen Staaten, welche noch die Todesstrafe praktizieren.

 

Hinrichtungsmethoden

 

Auch wenn die früheren barbarischen Methoden nicht mehr zum Einsatz kommen (Kreuzigung, Vierteilung, Rad, Scheiterhaufen…), gibt es keine "menschliche" Technik und keine sanfte Methode, jemandem das Leben zu nehmen.

Seit 2000 werden die folgenden Methoden verwendet:

 

  • Enthauptung (Saudi-Arabien)
  • Tödlicher Elektroschock (USA)
  • Erhängen (Ägypten, Indien, Irak, Iran, Japan, Jordanien, Pakistan, Singapur, usw.)
  • Giftinjektion (China, USA)
  • Erschiessen (Weissrussland, China, Vietnam und andere.)
  • Steinigung (Afghanistan, Iran)

 

In einigen Ländern finden die Hinrichtungen noch in der Öffentlichkeit statt: Erhängen unter freiem Himmel mittels eines Krans im Iran oder Nackenschuss in China. Nach der Erhängung kann es sein, dass die Leichen mehrere Tage zur Schau gestellt werden.

 

Mit der Todesstrafe geahndete Verbrechen

 

In allen Ländern, welche die Todesstrafe praktizieren, ist Mord das Hauptverbrechen, für welches Todesstrafen ausgesprochen werden. Aber auch andere Verbrechen können die Todesstrafe zur Folge haben: Vergewaltigung, Entführung, Gefährdung der Staatssicherheit, Terrorismus, Spionage, Drogenhandel, Brandstiftung, Homosexualität, Ehebruch. Hinrichtungen wegen Homosexualität oder Ehebruch finden in muslimischen Ländern statt, welche die Scharia praktizieren. Die Definition für Ehebruch wird dort viel breiter gefasst als bei uns und eine vergewaltigte Frau kann so auch wegen „Ehebruchs“ verurteilt werden.

 

China ist Rekordhalter für die Anzahl Verbrechen, welche mit der Todesstrafe geahndet werden (68), darunter viele  - Steuerbetrug, Unterschlagung, usw. – welche keine Gewaltverbrechen sind.

Häufig werden Todesurteile nach schludrigen oder sehr schnellen Verfahren ausgesprochen: Fehlende oder manipulierte Beweismittel, Ermangelung eines Rechtsvertreters, Abwesenheit der Angeklagten selbst, fehlende Übersetzer, lediglich belastende Beweisaufnahme, falsche Zeugenaussagen, unter Folter erzwungene Geständnisse, fehlende Berufungsmöglichkeiten, usw..

 

Es muss jedoch hervorgehoben werden, dass die internationale Rechtsprechung für die schlimmsten Verbrechen wie Völkermord oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit das Zurückgreifen auf die Todesstrafe ausgeschlossen hat.

 

Quellen: ACAT-Frankreich und die Internationale Koalition gegen die Todesstrafe

 
 
 
 
 

Das Thema interessiert Sie? Recherchieren Sie in der Bibliothek von ACAT-Schweiz nach einem Werk oder einer DVD zur Thematik.

 
 

Aktiv werden gegen die Todesstrafe

 

ACAT-Schweiz lanciert jedes Jahr am 10. Oktober eine nationale Kampagne, zur Sensibilisierung zum Thema der Todesstrafe. Wollen Sie sich dafür engagieren? Kontaktieren Sie uns: info(a)acat.ch oder 031 312 20 44