Konzerne sollen klare Worte finden

 

Unternehmen wollen heute als sozial verantwortlich gelten. Grosse Versprechungen zieren internationale Pakte und Unternehmensphilosophien. ACAT-Schweiz will nun einen dieser grossen Player in die Pflicht nehmen, indem sie Nestlé dazu auffordert, Position gegen die Todesstrafe zu beziehen – und für die Würde des Menschen.

 
 

Menschenwürde, Gleichheit, soziale Gerechtigkeit – das Biotop dieser Begriffe sollte über Kirchen, Philosophiekreise und NGOs hinausreichen. Tatsächlich wächst auch in der Wirtschaft das Bewusstsein, dass soziale – und ökologische – Verantwortung mehr bringt als bloss ein frisch geputztes Image. Viele Unternehmen sind heute überzeugt, dass eine verantwortliche und nachhaltige Geschäftspraxis eine Voraussetzung ist, um sich längerfristig am Markt behaupten zu können.


Profitieren vom guten Ruf der UNO?


Die wachsende Empfindlichkeit für Menschenrechtsthemen widerspiegelt sich im United Nations Global Compact. Ziel dieses Pakts ist eine Globalisierung nach sozial und ökologisch verträglichen Standards. Bis Mitte 2018 verpflichteten sich 13 000 Teilnehmer dazu, die zehn Prinzipien des UN-Global Compact anzuwenden. Dazu gehören 10 000 Unternehmen sowie Forschungseinrichtungen, Wirtschafts- und Arbeitnehmerverbände, Gemeinden und Akteure der Zivilgesellschaft.
Schön und heil ist die Welt mit dem UN-Global Compact immer noch nicht. Die Kritik an diesem Pakt ist happig und reicht von zu weichen Standards über mangelnde Kontrolle bis hin zu Missbrauch für Werbezwecke. Die Stiftung Weltethos zum Beispiel schreibt: «Die beteiligten Unternehmen werden nicht nachweislich verpflichtet, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten, profitieren aber vom guten Ruf der UNO (sogenanntes ‹bluewashing› in Anspielung auf die blaue Farbe der UNO).»


Wirtschaft streckt Fühler aus


Die breite Unterstützung für die Konzernverantwortungsinitiative oder die Klimawandeldebatte am jüngsten Weltwirtschaftsforum WEF machen trotzdem klar: Es muss und wird Bewegung in die Sache kommen. Wirtschaftsbosse strecken ihre Fühler aus. Und das ist eine gute Neuigkeit für zivilgesellschaftliche Player wie Menschenrechtsorganisationen. Der Kreis von Unternehmen, die sich zu Verbündeten machen lassen, wächst.


Nestlé profiliert sich …


Zum Beispiel Nestlé. Der Nahrungsmittel­gigant mit Hauptsitz in der Schweiz ist in der Vergangenheit nicht gerade durch vorbildlichen Menschenrechtsschutz aufgefallen. Diese Vergangenheit versucht das Unternehmen nun hinter sich zu lassen. In ihren PR-Aktivitäten ist ihr angestrebtes Engagement etwa «für eine abfallfreie Zukunft» oder für «bessere Lebensbedingungen» nicht zu übersehen. Im UN-Global Compact hat sie sich für den «LEAD-Status» qualifiziert. Ob Nestlés Engagement erfolgreich ist oder nicht, sei in einem anderen Kontext zu beurteilen – Fakt ist: Nestlé hat sich zum Ansprechpartner in Menschenrechtsanliegen entwickelt.


… und soll nun Position beziehen


ACAT-Schweiz ist deshalb überzeugt, dass dies der richtige Augenblick ist, Nestlé auf ihr Engagement anzusprechen. Organisationen, die in den Vereinigten Staaten gegen die Todesstrafe kämpfen, haben uns erklärt, wie wichtig und bedeutsam die Unterstützung von Nestlé in der Abschaffung der Todesstrafe sein könnte.

 

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Virginia und die Todesstrafe

 

8 Mio. Anzahl Einwohner
1277      Anzahl Hinrichtungen vor 1976
113 Anzahl Hinrichtungen seit 1976 (dem Jahr, in dem der Oberste Gerichtshof der USA die Todesstrafe nach einem neunjährigen Moratorium wieder erlaubte)
2. Virginia steht an 2. Stelle der Anzahl Hinrichtungen seit 1976 (nach Texas)
60 Anzahl Menschen, die sich im Jahr 1999 im Todestrakt befanden
2 Anzahl Menschen, die sich im Jahr 2019 im Todestrakt befinden
1 Seit 1973 kam ein zum Tode Verurteilter wieder frei, nachdem seine Unschuld bewiesen wurde
18 % Anteil Todesurteile, die zwischen Mitte der 70er Jahre und 1995 durch Berufungsgerichte aufgehoben wurden (gegenüber 68 % in den restlichen US-Bundesstaaten)
2011 Seit diesem Jahr wurden keine Todesurteile mehr vollstreckt

 

Hinrichtungsmethode ist die Giftspritze, es sei denn, der Verurteilte beantragt stattdessen die Tötung durch den elektrischen Stuhl.


Quellen: Death Penalty Information Center, American Civil Liberties Union, Readthinkact.com

 

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PETITION ONLINE UNTERSCHREIBEN

oder

PETITIONSBOGEN ALS PDF HERUNTERLADEN

 

In ihrer Petition will ACAT-Schweiz Nestlé beim Wort nehmen. Denn:

 

  • In ihrer Unternehmensphilosophie schreibt Nestlé, dass sie nicht nur für ihre Aktionäre, sondern auch für die gesamte Gesellschaft einen Mehrwert schaffen muss, um nachhaltig erfolgreich zu sein.
  • Nestlé hat den LEAD-Status im UN-Global Compact erworben und sich somit als bedeutender Ansprechpartner in Menschenrechtsfragen profiliert.
  • Nestlé ist Hauptförderin («founding patron») der UN-Global Compact-Aktionsplattform für Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen*. Damit anerkennt sie, dass diese drei Faktoren wichtige Pfeiler für den Erfolg von Unternehmen sind und dass die Wirtschaft eine vitale Rolle in der weltweiten Förderung guter, verantwortungsvoller Staatsführung spielen kann.
  • Nestlé ist ein global tätiges Schweizer Traditionsunternehmen. Es soll die menschliche Würde als einen der Grundwerte unseres Rechtsstaates nicht nur respektieren, sondern auch weltweit begünstigen. Da die Todesstrafe mit der Würde des Menschen unvereinbar ist, soll sich Nestlé aktiv um deren Abschaffung bemühen.

 

KONKRET bitten wir Nestlé darum, ihren Einfluss geltend zu machen gegenüber Entscheidungsträgern in den USA – und im Speziellen in Virginia, wo Nestlé ihren US-Hauptsitz hat, gegen die Todesstrafe zu plädieren. Die Anzahl Todesurteile hat in den letzten Jahren in Virginia enorm abgenommen (siehe «Virginia und die Todesstrafe» auf der nächsten Seite). Eine starke Stimme aus der Wirtschaft kann den nötigen Stimmungswandel unterstützen, damit sich Virginia definitiv von der Todesstrafe verabschiedet. Ausserdem fordern wir Nestlé dazu auf, das Thema auf die Diskussionsagenda der Aktionsplattform für Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen zu setzen.

 

*Action Platform for Peace, Justice and Strong Institutions

 

 
 
 
 
 

Muster-Kollektenansage

 

Die heutige Kollekte ist bestimmt für die Menschenrechtsorganisation
ACAT-Schweiz – die Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter und der Todesstrafe. Aus christlicher Überzeugung setzt sich ACAT dafür ein, dass jeder Mensch weltweit Schutz vor Folter und Todesstrafe erfährt. ACAT führt mehrere jährliche Kampagnen durch, um die Öffentlichkeit für die Problematik von Folter und Todesstrafe zu sensibilisieren. Mit Briefaktionen intervenieren ACAT-Mitglieder zu Gunsten von Personen, die gefoltert worden sind oder denen Folter oder die Todesstrafe drohen. Finanziert wird die Arbeit von ACAT-Schweiz durch Mitgliederbeiträge, Spenden und Kollekten.
 
Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung – für die Menschenrechte!
 
Jeder Franken ist ein Beitrag «für eine Welt frei von Folter und Todesstrafe».