Dringliche Appelle vom Januar 2017

 
 

Sri Lanka: Prageeth Eknaligoda

 
 

Ein Journalist gilt seit sieben Jahren als verschwunden

 

Sandhya Eknaligoda sucht seit sieben langen Jahren ihren Ehemann. Seit er im Januar 2010 entführt wurde, hat sie kein Lebenszeichen des Politanalytikers und Karikaturisten Prageeth mehr erhalten.

 
 

Am 24. Januar 2010, zwei Tage vor den Präsidentschaftswahlen, wurde Prageeth Eknaligoda entführt, nachdem er sein Büro bei der sri-lankischen Informationswebsite Lanka E-news verlassen hatte. Der Politanalytiker und Karikaturist veröffentlichte besonders kritische Zeichnungen der damals herrschenden Regierung.

 

Seine Frau Sandhya reichte daraufhin Anzeige ein. „Die Polizisten sagten mir, Entführungen seien in Mode und mein Mann würde bald heimkehren“, erinnert sie sich. „Sie forderten mich auf, heimzukehren und zu warten.“

 

Trotz der zahlreichen Verfahren auf nationaler und internationaler Ebene, welche Sandhya Eknaligoda veranlasste, und trotz internationaler Appelle ergreifen die Behörden keinerlei Massnahmen, um dieses Verschwinden zu untersuchen. Erst die Wahl eines neuen Präsidenten im Januar 2015 bringt eine Wende. Fünf Jahre nach dem Verschwinden von Prageeth wird endlich eine Untersuchung eingeleitet. Sie bringt zutage, dass er offenbar in ein Militärcamp im Nordosten des Landes gebracht und dort der Armee übergeben wurde. Mehrere Verdächtige, Angehörige des militärischen Nachrichtendiensts, werden festgenommen, aber im Herbst 2016 auf Kaution wieder freigelassen.

 

 
 
 

Am kommenden 24. Januar wird sich das Verschwinden von Prageeth zum siebten Mal jähren. Wo ist er? Seine Familie hat immer noch keine Informationen, und niemand wurde verantwortlich gemacht oder gerichtlich verfolgt. „Ich werde weiterhin überall und immer nach Informationen suchen“, sagt seine Frau.

 

65 000 Personen sollen der Regierung zufolge in den 26 Jahren des bis 2009 dauernden bewaffneten Konflikts verschwunden sein. Doch die Praxis des Verschwindenlassens ging auch nach Kriegsende weiter. Beamte und mit der Regierung verbündete paramilitärische Gruppen entführten unzählige Personen, die der Regierung kritisch gegenüberstanden.

 

Die 2015 neu gewählte Regierung hat versprochen, die Zehntausenden Fälle von Verschwindenlassen unter der Vorgängerregierung zu untersuchen. Eine Präsidialkommission hat bereits über 20 000 Fälle erfasst.

 

All jene, die auf der Suche nach Angehörigen sind, stellen eine entscheidende Veränderung fest: Heute können sie ihre Nachforschungen ohne Furcht vor Verfolgung durchführen. Die Regierung hat ein nationales Büro für die Verschwundenen geschaffen, um diese ausfindig zu machen, die Angehörigen zu entschädigen und den Familien Abwesenheitsbescheinigungen auszustellen. Allerdinst ist in diesen zwei Jahren noch kein einziges Opfer aufgefunden worden – trotz der in manchen Fällen erdrückenden Beweislage.

 

Quelle:

ACAT-Frankreich

 
 
 
 

ACAT-Schweiz unterstützen!

 
 

ACAT-Schweiz Mitglieder erhalten sechs mal jährlich die Broschüre "Aktiv werden mit ACAT", welche zwei dringende Apelle und Neuigkeiten zu unseren Interventionen enthält.

> Mitglied werden