Dringliche Appelle vom April 2017

 
 

Ägypten: Ahmed Abdelsattar Amasha

 
 

Ein Menschenrechtler wurde in Kairo zum Verschwinden gebracht

 

Am 10. März 2017 wurde der in Ägypten bekannte Menschenrechtsverteidiger Ahmed Abdelsattar Amasha in der Nähe von Kairo festgenommen und von der Polizei entführt. Sein Aufenthaltsort blieb über einen Monat lang unbekannt, bis ihn seine Anwälte offenbar treffen konnten. Die Fälle von Verschwindenlassen in Ägypten nehmen zu und scheinen Ausdruck einer beabsichtigten Taktik der Regierung zu sein, um die rechtmässige und gewaltfreie Arbeit der Menschenrechtsverteidiger zu behindern.

 
 

Der 56-jährige Ahmed Abdelsattar Amasha war am 10. März 2017 um 17 Uhr von Staatsbeamten entführt worden, als er einen Polizei-Checkpoint im Kairoer Vorort Nasr City passierte. Er soll unverzüglich zum Staatssicherheitsdienst von Al-Abasiyyah gebracht worden sein. Freunde und Passanten waren Zeugen seiner Festnahme. Die Polizei legte offenbar keinen Haftbefehl vor und gab keine Gründe für die Festnahme an. Die Familie wie auch verschiedene Organisationen und Menschenrechtsverteidiger reichten bei den ägyptischen Behörden, namentlich beim Staatspräsidenten, dem Premierminister, dem Innenminister und dem Staatsanwalt, zahlreiche Beschwerden und Vorstösse ein. Nach neuesten Informationen konnten die Anwälte Ahmed Abdelsattar Amasha nach mehr als einem Monat erstmals besuchen. Dabei soll er ihnen auch gesagt haben, dass er die öffentliche Mobilisierung zu seinen Gunsten gespürt habe, indem die Polizei ihn vom dritten Tag weg besser behandelt und nicht mehr gefoltert habe. Zuvor habe er insbesondere Elektroschocks und sexuelle Gewalt erlitten.

 

 
 
 

Ahmed Abdelsattar Amasha ist ein bekannter Menschenrechtler in Ägypten. Er hat namentlich die Vereinigung der Angehörigen von Verschwundenen mitbegründet, eine Plattform für Familien von Opfern des Verschwindenlassens, welche ihre Mitglieder juristisch unterstützt und ihnen hilft, Beschwerden an den Generalstaatsanwalt zu verfassen und zu senden. Die Vereinigung organisiert auch Medienkampagnen, öffentliche Kundgebungen zugunsten der zum Verschwinden Gebrachten und ihrer Angehörigen, sowie Seminare und Workshops mit Menschenrechtsorganisationen wie El Nadeem Centre, Hisham Mubarak Law Center und Egyptian Commission for Rights and Freedoms. Ahmed Abdelsattar Amasha ist auch ein Gewerkschafter und Umweltaktivist, sowie Mitglied der Oppositionsbewegung Kefaya («Genug»). Er ist Tierarzt und leitet die Gewerkschaft seines Berufsstands.

 

Die Zahl der Fälle von Verschwindenlassen in Ägypten nimmt zu[1]. Diese Taktik wird oft angewendet, um «Beweise» zu erpressen in konstruierten Gerichtsfällen, mit denen Menschenrechtsverteidiger eingeschüchtert und an ihrer Arbeit gehindert werden sollen, damit sie nicht die zahlreichen und schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen der Regierung ans Licht bringen. Die Entführung von Ahmed Abdelsattar Amasha scheint in dieses Muster des Verschwindenlassens zu gehören, das von der ägyptischen Regierung in Auftrag gegeben, unterstützt oder ignoriert wird – umso mehr, als die Büros von El Nadeem Centre am 9. Februar nach einer Reihe von gerichtlichen Schikanen seitens der Behörden von der Polizei geschlossen wurden.

 

Quellen: alkarama.org / frontlinedefenders.org / amnesty.org



[1] Siehe Bericht von Amnesty International: «Egypt: ‘Officially, you do not exist’ Disappeared and tortured in the name of counter-terorism» vom 13. Juli 2016

 
 
 
 

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