Dringliche Appelle vom April 2017

 
 

Iran: Hengameh Shahidi

 
 

Willkürlich inhaftierte iranische Journalistin in kritischem Gesundheits-zustand

 

Die iranische Journalistin und Politaktivistin Hengameh Shahidi befindet sich in kritischem Zustand im Teheraner Evin-Gefängnis. Aus Protest gegen ihre willkürliche Festnahme vom 9. März 2017 ist sie in den Hungerstreik getreten. Sie ist herzkrank und weigert sich, ihre Medikamente einzunehmen. Sie wird in Einzelhaft gehalten und darf ihren Anwalt nicht kontaktieren.

 

 
 

Sicherheitskräfte drangen am 9. März 2017 gegen Mitternacht in der Stadt Maschhad im Nordosten Irans in das Haus eines Verwandten ein, wo Hengameh Shahidi sich aufhielt, und nahmen sie ohne Haftbefehl fest. Sie wurde zuerst in eine Haftanstalt in Maschhad gebracht und dann ins Evin-Gefängnis verlegt. Dort wird sie gegenwärtig im Trakt 209 festgehalten, der dem Geheimdienstministerium untersteht.

 

Die Behörden haben Hengameh Shahidi nicht über die gegen sie erhobenen Vorwürfe informiert und erlaubten ihr nicht, mit ihrem Anwalt Kontakt aufzunehmen. Dem Anwalt zufolge soll Hengameh Shahidi einer nicht näher benannten Straftat gegen die «Sicherheit» angeklagt und auf Anordnung des Sonderstaatsanwalts für Straftaten im Bereich Medien und Kultur festgenommen worden sein, welcher dem General-staatsanwalt von Teheran untersteht.

 

 
 
 

Sie war bereits im Rahmen der Repression nach den umstrittenen Präsidentschaftswahlen von 2009 wegen ihrer politischen Aktivitäten, insbesondere als Beraterin eines Kandidaten der Opposition, und wegen ihrer Arbeit als Berichterstatterin einer reformfreundlichen Zeitung inhaftiert worden. Die damaligen Anklagen lauteten, sie habe als Journalistin über Demonstrationen nach den Präsidentschaftswahlen berichtet, den Medien Interviews gewährt, Erklärungen an UNO-Organe über Menschenrechtsverletzungen in Iran unterzeichnet und Kampagnen zur Abschaffung der Hinrichtung durch Steinigung sowie zur Änderung von frauendiskriminierenden Gesetzen unterstützt. In einem unfairen Prozess, bei dem sie ein Schuldgeständnis unterschreiben musste, war sie zu einer sechsjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden, die sie zum Teil in Einzelhaft in einer zwei Quadratmeter kleinen Zelle verbüssen musste. Dort wurde sie gefoltert und misshandelt und es wurde ihr mit der Hinrichtung gedroht. Wegen Herzproblemen wurde sie 2011 freigelassen.

 

Die erneute Festnahme von Hengameh Shahidi und anderer Journalisten scheint sich in den Rahmen einer neuen Repressionswelle gegen Politaktivisten und Journalisten vor den Präsidentschaftswahlen 2017 einzufügen, mit welcher die Wahlergebnisse beeinflusst werden sollen.

 

 

Quelle: Amnesty International

 
 
 
 
 

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