Dringliche Appelle vom Januar 2017

 
 

Kolumbien: Blanca Nubia Díaz

 
 

Bedrohte Menschenrechtsaktivistin

 

Wegen ihres Menschenrechtsengagements wird Blanca Nubia Díaz weiterhin bedroht. Der kürzlich geschlossene Friedensvertrag in Kolumbien sollte ihr echten Schutz garantieren.

 
 

Im Jahr 2016 führte Blanca Nubia Díaz ihr Engagement als Menschenrechtlerin trotz Drohungen fort. So wurde sie am 2. September bei der Heimkehr von einer Gedenkveranstaltung in Bogotá für die Verschwundenen von einem Mann mit einem Messer bedroht.

 

Blanca Nubia Díaz gehört der indigenen Gemeinschaft der Wayuu in der Karibikregion Guajira an. Ihre Familie litt unter der Gewalt des bewaffneten internen Konflikts. Seit 2005 setzt sich Blanca Nubia Díaz bei der Nationalen Bewegung der Opfer von Staatsgewalt (MOVICE) für die Rechte der Frau ein. Ihr Fall wurde im Opferdossier der Nächtlichen Gebetswache 2016 vorgestellt.

 

Im Mai 2001, ein Jahr nach der Ermordung ihres Mannes, wurde ihre Tochter Irina del Carmen Villero Díaz von Paramiliärs gefoltert, vergewaltigt und umgebracht. Im Jahr 2012 wurde einer ihrer Enkel bedroht. Im Juni 2014 wurde ihre andere Tochter vergewaltigt, und mehrere Familienmitglieder erhielten telefonische Drohungen gegen einen ihrer Söhne. Im Januar 2015 verschafften sich zwei Männer gewaltsam Zutritt zu einem ihr gehörenden Haus in La Guajira und bedrohten die Bewohner.

 

 
 
 

Ein historischer Friedensvertrag

Der über fünfzigjährige bewaffnete interne Konflikt forderte 267 000 Tote, 46 000Verschwundene, 30 000 Geiseln und Tausende Opfer von Folter und sexueller Gewalt. Am 1. Dezember 2016 wurde der historische Friedensvertrag zwischen dem Staat und den FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) ratifiziert. Dieser beinhaltet namentlich:

 

  • einen Waffenstillstand und die Abgabe der Waffen der Guerilleros unter der Kontrolle von 500 UNO-Beobachtern sowie die Auflösung aller paramilitärischen und kriminellen Organisationen;
  • eine Amnestie für politische Straftaten, aber die Verfolgung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch ein Sondergericht;
  • den Aufbau der staatsbürgerlichen und politischen Beteiligung, vor allem durch den Schutz der neuen Parteien und gesellschaftlichen Bewegungen;
  • die Rückgabe des geraubten Landes, eine gerechtere Verteilung des Bodens und die Entwicklung öffentlicher Dienstleistungen in ländlichen Gegenden;
  • die Bekämpfung der Drogenhandelsnetzwerke und Massnahmen zur Förderung von Pflanzenkulturen als Alternativen zum Kokaanbau.

 

Am 13. Dezember genehmigte das Verfassungsgericht ein beschleunigtes Verfahren, mit welchem das Parlament rasch Gesetze zur Umsetzung des Friedensvertrags erlassen kann. Ein erstes Gesetz über die Amnestie wurde am 28. Dezember angenommen.

 

Seit dem beidseitigen Waffenstillstand vom 26. August 2016 wurden 81 gewaltsame Übergriffe, überwiegend von Paramilitärs, verzeichnet. Bis zum 30. November 2016 zählte das Büro des UNO-Hochkommissariats für Menschenrechte in Kolumbien 35 Attentate und 52 Morde an MenschenrechtsverteidigerInnen.

 

Quelle: ACAT-Frankreich

 
 
 
 
 

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